Spannende Rennen mit neu gemischten Karten versprechen die Elite-Rennen am 42. Zürcher Silvesterlauf vom Sonntagmittag – bei den Männern wie den Frauen. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Mann mit der Startnummer 1: Matthias Kyburz (LC Basel).
Die Nummer 1 zu sein, ist für Matthias Kyburz nichts Aussergewöhnliches. Im Orientierungslauf führt er die Weltrangliste an, Doppel-Europameister und erfolgreichster Athlet war er vergangenen Mai im Tessin. Und die Weltcup-Gesamtwertung gewann der 28-Jährige dieses Jahr bereits zum fünften Mal; zum dritten Mal in Folge. Dass er aber bei den Strassenläufern in einem Elite-Rennen die Nummer 1 trägt, ist einzigartig. Am 42. Zürcher Silvesterlauf tut er’s.
Die Position des Fricktalers hängt mit seinen läuferischen Qualitäten zusammen. Immer wieder überrascht er. Mit den besten Spezialisten hält er mit. Ja, er lässt sie gar oftmals hinter sich. Von «einer reizvollen Abwechslung» spricht er im Zusammenhang mit dieser Art von Rennen. Sie fordern in der OL-freien Jahreszeit ganz anders als die Orientierungsläufe. Jüngst war er am Basler Stadtlauf drittbester Schweizer hinter 10-km-Strassenlauf-Europarekordhalter Julien Wanders und Schweizer Meister Fabian Kuert.
Wanders fehlt nun in Zürich, weil er bereits wieder in seiner zweiten Heimat Kenia trainiert. Es bietet sich also für Kyburz die Gelegenheit, an Kuert Revanche zu nehmen. Das Intervallmässige des Ausscheidungsrennens in Zürich scheint auf ihn zugeschnitten. Den Tagessieg ebenfalls streitig machen dürften ihm die in der Schweiz lebenden Afrikaner Mekonen Tefera und Ahmed El Jaddar. Auch zahlreiche Landsleute sinnen auf Revanche, allen voran die Halbmarathon-Europameister im Team vor zwei Jahren, Andreas Kempf und Marcel Berni oder die OL-Cracks Daniel Hubmann, Florian Howald oder sein eigener Bruder Andreas Kyburz.
Hochklassige Frauen-Konkurrenz
Von den Namen her gar breiter und besser besetzt ist das Frauenrennen. Die tiefste Nummer (51) trägt die Marathon-EM-Siebte und Jungfrau-Marathon-Siegerin Martina Strähl. Allerdings zeigte sich die Solothurnerin zuletzt gesundheitlich angeschlagen. Und es fehlt nicht an ambitionierten und leistungsstarken Widersacherinnen: Da wäre Delia Sclabas, die Cross-EM-Zweite bei den U20 vom vergangenen Sonntag. Oder die zurückgetretene Mehrfach-Weltmeisterin im OL, Judith Wyder – sie schlug Martina Strähl in Basel. Ebenfalls mit von der Partie ist die Vorjahreszweite, Betty Chepkwony (KEN) und die letztjährige Überraschungsdritte, Andrea Meier.
Die Eliterennen finden am frühen Nachmittag nach den Kinderrennen und vor den Volkslaufkategorien statt: um 13.25 Uhr die Männer, um 13.40 Uhr die Frauen. Im Gegensatz zu den Volksläufen wird auf einer Kurzrunde à ca. 400 m ums Stadthaus und die Fraumünsterkirche gelaufen. Die Männer bewältigen 14, die Frauen 12 Runden.
Über 21 000 Laufbegeisterte
Der 42. Zürcher Silvesterlauf ist eine internationale Angelegenheit: Insgesamt starten 88 Nationalitäten aus 28 Ländern. Lückenlos vertreten sind auch dieses Jahr die Schweizer Kantone. Mit aktuell 21 138 Angemeldeten verzeichnet die Veranstaltung einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. «Möglich, dass der letztjährige Lauf durch Pflotsch und Sturm beim einen oder anderen noch im Kopf sitzt», begründet OK-Präsident Bruno Lafranchi den Rückgang um rund 10 Prozent. Das OK freut sich, wenn die über 21 000 Laufbegeisterten am Sonntag die Stadt zu einem Freiluft-Stadion machen, wo das Wetter zweitrangig ist. Viel schöner dürften die vielen, bunten Erlebnisse sein, die ein jeder unweigerlich hat am Zürcher Silvesterlauf.
(pd)